„Es muss Grenzen für Erreichbarkeit und Verfügbarkeit geben!“

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Flexibilisierung führt zu einer Verlängerung der Arbeitszeit, sagte Annelie Buntenbach vom DGB-Vorstand heute auf der SAP-Fachtagung des TBS-Netzes in Berlin. Die Plattform-Ökonomie setze die Arbeitsbeziehung unter Druck. Die Soziologin Sabine Pfeiffer forderte indes, dass die Beteiligung der Betriebs- und Personalräte ausgeweitet und grundsätzlicher werden müsse.

Am heutigen Eröffnungstag der SAP-Fachtagung unter dem Motto „Datenverarbeitung grenzenlos“ zeigte sich die Gewerkschafterin Annelie Buntenbach kämpferisch. Flexibilisierung bedeute im Regelfall einfach eine längere Arbeitszeit. Und „umso länger die Arbeitszeit, umso höher der Stress“, sagte die Expertin des DGB Bundesvorstandes.

buntenbachMit der Digitalisierung der Arbeit gehe eine gleichzeitige Entgrenzung und Verdichtung der Arbeit einher. „Es muss neue Grenzen für Erreichbarkeit und Verfügbarkeit geben“, forderte deshalb Buntenbach vor etwa hundert Teilnehmenden der SAP-Fachtagung an der Spree. Der DGB werde sich jedenfalls entschlossen gegen eine Verlängerung der Arbeitszeit stellen, bekräftigt Buntenbach. Außerdem müsse alles dafür getan werden, dass es durch die Digitalisierung nicht zu einer massenhaften Verdrängung von Arbeitsplätzen komme.

Mitbestimmung kommt an ihre Grenzen

Laut der Professorin Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim sind die Beschäftigten in der Bundesrepublik besser auf den Wandel eingestellt, als viele im Unternehmens-Management glauben. Wie Studien belegen, können die meisten Menschen in Deutschland mit Wandel und Komplexität gut umgehen. Privat nutzen die meisten Beschäftigten bereits mobile Endgeräte und moderne Technologien, auch wenn sie in der Arbeit wenig damit zu tun haben, sagt Pfeiffer. „Beruflich qualifizierte Arbeit ist eine einmalige Innovationsressource im eigenen Betrieb.“

pfeifferDie betriebliche Mitbestimmung komme laut Pfeiffer aber zunehmend an ihre Grenzen. „Eine ganze Reihe von Technologien, die in ihrem Zusammenspiel überhaupt erst die Musik machen, müssen gestaltet werden.“ Rechtsbereiche, die früher klar zu trennen waren, würden immer mehr kollidieren, warnt die Soziologin. „Deswegen werden kollektiv wirkende, individuell einklagbare grundsätzliche Rechte immer wichtiger.“

Morgen werden auf der SAP-Fachtagung des TBS-Netzes unter anderem voraussichtlich Professor Peter Wedde über die neue Datenschutzverordnung der EU und Lothar Schröder vom Verdi-Bundesvorstand über die Digitalisierung der Arbeit sprechen.

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